RE: kind hört nicht und hat wutanfälle. weiss jemand rat?
Hallo Mara,
ja also ich kann mich im Großen und Ganzen meinen Vorrednerinnen anschließen, es ist relativ normal, daß Kinder "Trotzphasen" durchlaufen, auch wenn sie schon aus dem sog. Trotzalter heraus sind.
Zum einen kann es äußerliche Ursachen haben, wie z.B. Probleme in der Schule, Trennungsphasen u.ä. Aber Kinder wachsen auch heran und in dem Maße, wie ihre körperlichen und seelischen Fähigkeiten heranreifen, wollen sie von Zeit zu Zeit ihre Grenzen neu herausfinden. D.h. sie fordern Ihre Eltern so lange heraus, bis sie in ihre Grenzen verwiesen werden, resp. die Grenzen neu gesteckt werden (man muß ja die Grenzen immer wieder an die wachsenden Fertigkeiten der Kinder anpassen).
Ich habe einmal etwas sehr Schönes gelesen, was ich sehr einleuchtend fand und mir in solchen schwierigen Phasen immer wieder geholfen hat. Ich möchte mal die Kernaussage hier wiederholen:
Kinder wissen intuitiv, daß sie klein und schwach und auf ihre Eltern angewiesen sind. Aber nur starke Eltern können ihnen diesen Schutz bieten. Also fordern sie ihre Eltern heraus, um ihre Stärke (nämlich die der Eltern) zu spüren. Wenn die Kinder aber diese Stärke nicht spüren (z.B. weil Eltern zu bequem sind, ihre Kinder zu erziehen oder weil sie unbedingt "Freunde" ihrer Kinder sein wollen, aus falsch verstandenem "laisser faire" oder wie auch immer) fordern sie die Eltern immer wieder heraus, immer verzweifelter (wütender!), weil sie ENDLICH Grenzen (und damit die Stärke ihrer Eltern!) spüren wollen. Denn Grenzen vermitteln Kindern auch Geborgenheit und das sichere Gefühl, daß ihre Eltern stark sind und sie beschützen können. Wie soll sich ein Kind jemals sicher und geborgen fühlen, wenn es das Gefühl bekommt, daß es seinen Eltern egal ist oder noch schlimmer es stärker ist als seine Eltern?
Auch mein Sohn, ein sonst sehr umgängliches Kind, hat immer wieder seine Phasen, wo er gegen die ihm gesetzten Grenzen rebelliert. Das ist dann verdammt anstrengend und manchmal möchte ich auch sagen: mach doch was du willst! Aber ich weiß, daß ich meinem Sohn damit keinen Gefallen tue und halte durch. Und ich weiß auch, daß diese Phasen immer wieder vorbei gehen und danach ist mein Sohn für eine ganze Zeit wieder ein freundliches, fröhliches Kind - ich habe oft das Gefühl, daß er geradezu erleichtert ist, daß ich die Stärkere (geblieben) bin und er auch Orientierungshilfen hat an den Grenzen, die iich ihm setze.
Also, Deiner Tochter zuliebe, halte durch! Sei liebevoll, aber konsequent!
Und Du wirst sehen, eines Tages ist der Spuk vorbei und Deine Tochter wird sich "entspannt zurücklehnen" und wieder ein ganz friedliches Kind sein.
Und wenn der Psychologe sagt, das wäre nicht behandlungsbedürftig, denke ich kannst Du ihm glauben. Wenn Du aber trotzdem verunsichert sein solltest, weil du nicht weißt, wie Du Dich (pädagogisch korrekt oder wie auch immer Du es nennst) verhalten sollst, dann halte ich den Tip mit der Erziehungsberatung gut.
Sollte Deine Tochter etwas schwieriger sein, als bei "normalen" Trotzphasen zu erwarten oder Du möchtest Dir einfach noch weitere Informationen holen, kann ich Dir noch folgende Bücher von Jirina Prekop empfehlen:
"Der kleine Tyrann" und "Hättest du mich festgehalten". Die Autorin ist Diplom-Psychologin, ich habe sie bei einem Vortrag als warmherzige, humorvolle, kompetente Frau erlebt. Vielleicht helfen Dir diese Bücher (oder andere von ihr) auch weiter, ich habe viel daraus gelernt.
So, das ist nun etwas lang geworden, aber ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt.
Viel Erfolg!
Feuervogel
[addsig]
Liebe ist das Einzige was wächst,
wenn wir es verschwenden.
(Ricarda Huch)