Ich glaube nicht, dass man sein Kind zu sehr lieben kann. Ich denke mal, es kommt darauf an, wie man es ausführt. Wenn man sein Kind aus lauter Vergötterung und Übervorsicht z.B.nicht an Klassenfahrten oder Schulausflügen teilnehmen läßt, hat das meiner Meinung nix mit Liebe zu tun. Sondern mit Unterdrückung und "In-den-Vordergrundstellen" seiner eigenen Interessen. Wenn mein Kind immer zur Schule gebracht wird, obwohl es mühelos selber laufen könnte, wird es vielleicht irgendwann zum Außenseiter und ausgelacht. Wenn ich meinem Kind immer fertige Butterbrote vor die Nase stelle und die Pizza kleinschneide, lernt es nie selbst mit dem Messer umzugehen und blamiert sich spätestens beim Besuch des Freundes oder auf dem Kindergeburtstag.
So gibt es viele Beispiele, wie ich meinem Kind helfen möchte, aber nur das Gegenteil erreiche.
Was ich allerdings etwas problematisch ansehe, ist die Tatsache, dass das "Draußenspielen" nicht mehr so ist, wie es früher mal war. Wir gingen damals bei Wind und Wetter raus, buddelten in der Matsche, kletterten auf Bäume oder zogen einfach so umher mit Freunden.
Heute gibt es vielerorts kaum noch freie Stellen zum Rumstöbern, dort wo früher Kletterbäume standen, sind nun Wohngebiete. Komische Nachbarn verscheuchen "verdächtige" Kinder sofort mit den Worten:Könnt ihr nicht auf dem Spielplatz spielen?". Was für Kinder ab ca. 8 Jahren auch nicht mehr wirklich interessant ist. In Jugendtreffs sind meistens die Älteren. Also bleiben viele Kinder frustriert drinnen und hocken vor PC oder TV.
Da würde ich den Kindern oft etwas mehr Herausforderungen und Abenteuer gönnen.
Leider bleibt in der heutigen Zeit die Grobmotorik vieler Kinder auf der Strecke. Fahrradfahren wird später gelernt ("zu gefährlich", "komm, ich bring dich schnell mit dem Auto",...). Sportvereine werden vernachlässigt, da wahnsinnig viel Zeit für Schule und Hausaufgaben benötigt wird. Nachmittags mit Freunden treffen: oft schwierig, da z.B. bei uns viele Kinder in der Schulbetreuung bis 16 Uhr sind.
Aber die Feinmotorik, die wird trainiert: PC-Tastaturen werden perfekt bedient, Spielekonsolen ebenso.
Es ist schön, wenn die Kinder Kind sein dürfen, wenn sie sich auf uns verlassen können, wenn wir mit Rat und Tat zur Seite stehen (wenn gewünscht) und wenn wir sie auf ihre Zukunft verbereiten können, so dass aus ihnen verantwortungsbewusste, selbständige Menschen werden, die Ihre Fähigkeiten dann wieder an ihre Kinder weitergeben können.
Also: zuviel Liebe geht nicht
aber: zuviel falschangesetzte Fürsorge gibt´s leider oft
Ruhig mal die Augen zumachen, wenn das Kind auf einem Klettergerüst balanciert oder von einer hohen Mauer springt. Meistens kann es selber am besten einschätzen, was es sich zu traut. Nicht bremsen, sondern Mut zusprechen und loben, wenn´s dann geklappt hat
Euch noch ein schönes sonniges WE,
Sylvia
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