Ein wichtiges Thema!
Ja, du schreibst zu Beginn wie es gut für die Kinder laufen kann, das sehe ich auch! Die Situation kann nämlich für Kinder (trotz erlebter Trennung) sehr positiv sein. Letztlich viel positiver als das Leben vorher.
Das setzt allerdings vorraus, dass beide Elternteile im Sinne der Kinder handeln. Es setzt vorraus, dass die getrennten Elternteile ihre Paarebene geklärt haben bzw. zumindest von der Elternebene trennen können.
Es setzt vorraus, das die hinzukommenden Bonuseltern (klingt besser als Stiefeltern) ebenfalls mit am gleichen Strang ziehen. Es setzt vorraus, dass sich Erwachsene wie Erwachsene benehmen

. Das wäre die Optimalsituation!
Ich selbst würde nicht mit den Begriffen "Altfamilie" und "Neufamilie" sprechen.
"Familie ist dort, wo Kinder sind". Somit gibts eher die Alltagsfamilie und die Wochenendfamilie???
Aber eigentlich würde ich das ganz so nicht trennen... Die Kinder haben letztlich eine große Familie.
Papa gehört nicht mehr zu Mama, aber er gehört zu den Kindern und ist somit Teil ihrer Familie! Egal wie oft sie sich sehen.
Meine Omas gehörten auch alle drei zu meiner Familie, unabhängig davon, dass ich die eine fast täglich gesehen habe und die andere eher unregelmäßig und die dritte in regelmäßigen, aber längeren Abständen (die war noch dazu meine Stiefoma

).
Somit sehe ich tatsächlich den Bonus der hinzukommenden Familie. Wie innig und intensiv die Bindung der Kinder zu den einzigen Familienmitgliedern ist, bestimmen die Kinder und das jeweilige Familienmitglied miteinander. Der Zeitfaktor ist dafür weniger entscheidend wie andere. Um beim Beispiel meiner Omas zu bleiben:
Die innigste Beziehung hatte ich zu meiner Stiefoma, eine gute zu meiner Oma die ich nur unregelmäßig gesehen habe und eine sehr ambivalente, oft negative Beziehung zur Oma die lange Jahre mit mir unter einem Dach gelebt hat...
Im Optimalfall können also alle Beteiligten eine gute Situation mit den Kindern leben.
Leider gelingt das wohl eher seltener, als erwünscht.
Wie wir an vielen anderen Stellen schon festgestellt haben: Wir können nur unser eigenes Handeln beeinflussen...
Wie du im zweiten Teil schreibst, gilt für manche Elternteile nur noch die Neufamilie. Das ist zunächst auch (für die Erwachsenen) die einfachste und verlockenste Lösung

...
aber für die Kinder schauts anders aus
nun.... werde ich pragmatisch:
Ich handle im Sinne meiner Kinder, ich versuche dies auch dem anderen Elternteil zu vermitteln, dann aber liegt es in dessen Ermessen und Verantwortung sich im Sinne seiner Kinder zu verhalten.
Nun kann ich nur noch meinen Kindern eine solide Basis, ein geborgenes Familienleben schaffen, um sie aufzufangen wenn sie Frust erleben, wenn sie Enttäuschungen erleben, weil sie nicht zur Geburtstagsfeier dürfen, weil er trotz Versprechen wieder nicht anruft, weil sie ja gar nicht anrufen brauchen , weil er eh nicht ans Telefon geht...
Ich war wütend, traurig... für meine Kinder... weils doch sooooo schön und gut sein könnte....
Nun, er kann es nicht, und die Kinder werden lernen damit umzugehen. Jeder neue kleine Frust, wird eine Übung für sie sein, daran zu wachsen. Sie werden sich ihr eigenes Bild machen. Und wenn sie weniger Bindung zum anderen Elternteil aufbauen, dann liegt es nicht an mir, sondern an dessen Verhalten.
Und mal ganz ehrlich: Wieviel Kinder leben in ihren (nicht getrennten) Ursprungsfamilien.... und haben zu einem Elternteil keine besonders gute Beziehung, weil der/diejenige keine gute Beziehung aufbauen konnte (warum auch immer)... Machen wir also unseren Scheidungskindern kein extra Problem.... Versuchen wir unsere Situation so zu akzeptieren wie sie ist und machen das Beste daraus. Je selbstverständlicher wir unser Familienleben nehmen, umso einfacher können unsere Kinder auch damit umgehen.
Für mich gehört die Freundin vom Papa ganz selbstverständlich zur Familie (der Kinder). Ich weiß, wenn die Kinder am WE beim Papa sind und sie einen Ausflug miteinander machen sehen sie die Menschen als Mama, Papa und Kinder an. Sicher werden auch immer wieder Menschen die Kinder ansprechen und Papas Freundin "Mama" nennen. Na, und? Ist sie in diesem Moment ja auch. Und ich könnte mir vorstellen, dass es für die Kinder auch nicht schlimm ist

. Es verändert ja auch nix an der Beziehung zwischen meinen Kindern und mir

. Denn die ist so gut, wie wir sie miteinander gestalten. :thumbsup:
Meine Kinder wissen, sie alleine entscheiden wer wieviel Platz in ihrem Herzen bekommt. Das vermittele ich ihnen. Und wenn sich im Kindergarten zwei ihrer Freundinnen streiten, kann sie doch trotzdem beide lieb haben...
Im übrigen schauen sich meine Mädels gerne gemeinsam mit mir die Fotos ihrer Taufe an.... da sind zumindest die meisten "anderen" Familienmitglieder drauf und wir sprechen auch offen miteinander.
Wenn sie neue Fotos von Papa mit Familie mitbringen, dann bekommen diese Bilder sicher einen Platz den die Kinder haben wollen!
Sie lernen zumindest von mir wie`s auch geht, und was sie vom anderen Verhalten halten.... das sollen sie selbst entscheiden, vielleicht finden sie ja auch Erklärungen und/ oder Entschuldigungen, die ich nicht erkennen konnte!?