In diesem Forum gibt es ja ungeheuer viele Beiträge zum Thema, was uns Erwachsene im Falle einer Scheidung so belasten kann. Von Depressionen, Zusammenbrüchen, Verlust von Freundschaften ist da die Rede. Klar, auch die Kinder werden angeführt. Wenn sie auf einmal verhaltensauffällig werden, agressiv, nicht mehr "lenkbar" sind.
Was ist aber mit den Kindern, die still leiden? Die nicht wehement ihr Recht auf Beachtung einfordern? Die sich schlicht und ergreifend viel zu viel Verantwortung aufladen? Die bestrebt sind, perfekt zu funktionieren?
Meine Tochter war 8, als ich mich von ihrem Vater getrennt habe, ihr Bruder 12. Der Große ist so ein "typisches" Scheidungskind, rebellisch, fordernd. Seine Schwester nicht. Sie ist eher ruhiger, frisst viel in sich hinein. Jetzt ist sie am Ende ihrer Kraft angekommen, overkill. Sie ist nur noch müde, verzweifelt und voller Angst. Sie gibt sich für alles die Schuld. An meinem eigenen Zusammenbruch am Anfang des Jahres, meine klinische Behandlung deswegen, die noch andauert. Am Scheitern der Ehe ihrer Eltern, das ihr Vater sie nicht wahrnimmt, einfach an allem. Ich habe sie auf eigenen Wunsch in einem Internat angemeldet. Da war sie seit Februar, seit einer Woche ist sie wieder zu Hause. Die Erzieher haben ihre Erschöpfung nicht richtig erkannt, sie als Simulantin dargestellt. Sie ist inzwischen 11 Jahre alt, ehrgeizig, fleißig. Und kann einfach zur Zeit nicht mehr lernen.
Bei uns Erwachsenen heißt es dann gleich: "Oh, das hört sich aber nach einem burnout an!" Kinder haben da keine Lobby, sie werden gerne als schwierig, pubertierend oder schwer erziehbar eingestuft. Ich finde das ganz schrecklich. Denn so eine Kinderseele ist so verletzlich, empfindsam... Ich habe mein Kind für die nächsten Tage aus der Schule genommen, ich lasse sie zur Ruhe kommen. Ich werde sie nicht in eine Klinik geben, sondern mir ambulante Hilfe suchen, mit ihr in Kur fahren, für sie da sein. Ihr versuchen, wieder Sicherheit zu vermitteln. Mir geht es inzwischen auch wieder deutlich besser, ich habe aufgetankt.
Ich habe mein Kind zum Glück nicht aus den Augen verloren, ich kann allerdings hier nicht alle Details erzählen, will ich auch nicht, ist nicht der Platz dafür. Ich stelle einfach nur fest, das die Gesellschaft immer noch nicht begriffen hat, dass auch ein Kind zusammenbrechen kann.
pandora