Hallo Barbara,
Zunächst mal der Buchtitel: BATINIC, B. / WERNER, A. / GRÄF, L. / BADILLA, W.: Online research: Methoden, Anwendungen und Ergebnisse. Göttingen / Bern / Toronto / Seattle: Hogrefe 1999
Der folgende Text ist zwar schon etwas älter, aber vielleicht als Hinweis für Euch doch recht interessant. Alle Quellenangaben beziehen sich auf das obengenannte Buch. Ist ein Ausschnitt aus einer Diplomarbeit, in der ebenfalls eine Internetumfrage durchgeführt wurde.
<b>Repräsentativität und das Problem der (Selbst-)Selektivität</b>
In der konventionellen Umfrageforschung hat sich der Begriff der „Repräsentativität“ als das entscheidende Gütekriterium zur Beurteilung von empirischen Studien etabliert (Hauptmanns, 1999 S 26 ). Grundlagen von Bevölkerungsumfragen sind in der Regel Zufallsstichproben. Derartige Stichproben sind dadurch gekennzeichnet, dass jedes Mitglied einer Untersuchungsgrundgesamtheit mit einer bekannten Wahrscheinlichkeit größer Null die Chance hat, in einer Befragung vorzukommen bzw. an ihr teilzunehmen (BANDILLA 1999, S.10).
Eine Online-Befragung kann zur Zeit aus folgenden Gründen nicht als repräsentativ gelten:
„Die Grundgesamtheit der Internetnutzer ist undefiniert.
Die Stichprobe ist in aller Regel selbstselektierend, eine aktive Stichpro-benziehung findet nicht statt. Systematische Ausfallmechanismen müssen unterstellt werden. Über Nonrespondents liegen keine Informationen vor.
Die Ziehung einer echten Zufallsstichprobe (d.h. die Verallgemeinerungen auf eine Grundgesamtheit zulässt und somit als „repräsentativ“ bezeichnet wird) ist nicht möglich“ (HAUPTMANNS, 1999 S 22 ).
Das Problem der Selbstselektion ist durch die Besonderheiten des Internet und den Ablauf solcher Befragungen gekennzeichnet.
„Die wesentlichen Unterschiede zu anderen Erhebungsarten bestehen darin, dass erstens Hinweise auf eine laufende Umfrage erst einmal gefunden werden müssen, zweitens die Befragten aktiv über ihre Teilnahme entscheiden und drittens die Teilnahme Kosten (z.B. Telefon- und Providergebühren) verursacht. Aufgrund dieser Besonderheiten muss angenommen werden, dass nur bestimmte Gruppen von Internet-Nutzern an WWW-Umfragen teilnehmen“ (BANDILLA 1999, S. 12).
Noch verfügt lange nicht jeder private Haushalt in Deutschland über einen Internetzugang, der Voraussetzung für eine repräsentative Umfrage wäre. Verschiedene mit Hilfe des Internet durchgeführte Erhebungen zum Profil deutschsprachiger Internet-Nutzer schwanken sehr stark, sowohl in Bezug auf die demographischen Daten als auch im Bezug auf das Nutzerverhalten.
Nach Angaben der Fittkau und Maß GmbH, die vom 4. Oktober bis zum 8. November 2000 die 11. w3b-Umfrage zum Nutzerprofil von Internet-Nutzern durchführte (
http://www.w3b.org/ergebnisse/ergebnisse.html), konnte unter den 69.655 Befragten nur ein Frauenanteil von 31,1% ermittelt werden. Nach dieser Untersuchung sind nur 13,9% der Internetnutzer älter als 50 Jahre, während der Anteil der Nutzer im Alter von 20 bis 29 Jahren 28,1%, der Anteil der Nutzer im Alter von 30 bis 39 Jahren sogar 31,9% beträgt. Auch im Hinblick auf den Bildungsgrad überwiegen die Abiturienten mit 52,7%. HAUPTMANNS verweist zusätzlich darauf, dass das geschlechtsspezifisch unterschiedliche Nutzerverhalten zwangsläufig einen geringeren Anteil an Frauen in Bezug auf deren tatsächlichen Anteil an Internet-Nutzern hat (HAUPTMANNS, 1999 S. 33).
Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Befragung im Internet kann deshalb nicht als repräsentativ gelten, sondern jeweils nur einen Trend darstellen.
Grüße
Frank
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