Hallo Mary,
also ich verstehe gut, dass deine Kleine Papa zu deinem Freund/Mann sagt. Nachdem der KV ja trotz deiner Bemühungen klar gezeigt hat, dass er kein Interesse hat, ist es meines Erachtens sehr verständlich, dass du aber auch den Wunsch nach einer intakten Familie für dich und dein Kind hast.
Ich halte es für in Ordnung, wenn Kinder auch Papa zum Lebensgefährten der Mutter sagen. Ich denke ein Kind kann 2 Papas haben und (ja Thomas) umgekehrt wenn das Kind nicht bei der Mutter aufwächst auch 2 Mamas.
Ich meine dass an den Begriffen sowieso viel zu viel festgemacht wird. Wieviele Kinder nennen ihre Eltern beim Vornamen!? Ich denke entscheidend ist die Beziehung zu der jeweiligen Person. Kinder können Papa zum KV, dass sagt noch lange nichts über die Bindung aus!
Ich würde allerdings dem KV nicht verbieten dass das Kind Papa zu ihm sagt. Seinen Wunsch verstehe ich auch. Er hat sich eben in den 1 1/2 Jahren weiterentwickelt, das solltest du ihm zugestehen. Ich hoffe für euer Kind, dass es auch von Dauer ist. Wobei das wahrscheinlicher ist, wenn er eine gute Bindung zu ihr aufbauen kann. Wenn nicht, denke ich aber auch dass es ihr nicht groß schadet, da sie ja in einer intakten Familie aufwächst.
Vielleicht entscheidet ja bald eure Tochter selbst ob sie zu ihm Papa sagen will oder nicht!? Ich halte es für wichtig den Kindern die Wahlfreiheit zu lassen.
Ich selbst komme aus einer Patchwork-Familie. Meine 2 größeren Brüder sind aus erster Ehe meiner Mama und somit haben sie einen anderen Vater. Ihr leiblicher Vater hat nie großes Interesse gezeigt. Sie nennen ihn damals wie heute "Vater". Mein leiblicher Vater ist auch ihrer, sie haben eben 2. Sie nennen ihn Papa und Vater je nach dem. Meine Mutter erzählte mir, dass sie nie mit ihnen darüber gesprochen hätten. Meine Brüder (bei der Trennung 4 und 8 Jahre alt) haben einfach damit angefangen. Beide sagen heute, dass ihr "richtiger"/echter/gefühlter Vater nicht ihr leiblicher sondern mein leiblicher ist. Tja, es kommt eben auf die Beziehung an und nicht auf den Namen. Der jüngere meiner Brüder lebte auch in einer Beziehung mit Kind eines anderen Mannes. Dieses Kind wollte auch von sich aus Papa zu ihm sagen und tut dies auch. Sie sagt ganz selbstverständlich sie hat 2 Papas. Ihre Mutter nannte jedoch immer meinen Bruder beim Vornamen wenn sie mit ihrer Tochter sprach. Ganz normal. Tja, und schließlich stecke ich selbst in der Situation. Auch ich lebe mit meinen 2 Töchtern in einer neuen Beziehung. Ich merke bei meinen Kindern, dass sie das Bedürfnis haben meinen Partner auch Papa zu nennen. Das merke ich, weil sie von sich aus folgendes Spiel erfunden haben: Wir spielen Vater-Mutter- Kind mit verteilten Rollen. Ich bin mal große Schwester, mal Baby, die Mädels wechseln sich in der Mama-Rolle ab... Was immer gleich bleibt ist die Rolle meines Partners: er ist der Papa. Die Rollen verteilen die Kinder! Tja, und da genißen sie es ihn Papa nennen zu dürfen. Im Alltag nennen sie ihn beim Vornamen. Ich weiß dass meinem ExMann es überhaupt nicht recht ist. Er sagte mir ganz klar: "die Kinder haben nur einen Papa und das wird auch immer so bleiben!" Tja, ich misch mich da nicht ein. Für mich ist das nur ein Wort. Wichtig ist mir die Beziehung. Leider intrigiert mein Ex auch da. Schade denn er bereitet ja seinen Kindern Schwierigkeiten. Aber das werden die schon meistern. Die Mädels sollen das selbst entscheiden wie sie zu wem sagen. Sie werden ihre eigene Lösung finden. Und wenn die darin besteht 2 Männer Papa zu nennen, was ist daran so schlimm???
Um zu deiner Frage zurückzukommen: Ich find ganz gut wie du das mit ihm angegangen bist, also den Vorschlag erst mal gemeinsam Kontakt und Vertrauen aufzubauen. Langsam steigern... Ich finde du könntest es ihm zugestehen, dass du ihn als ihren Papa vorstellst. Das ist er ja auch. Ich glaube nicht, dass sie das mit 1 1/2 verwirren wird. Kinder fangen ja da erst das reden an und verallgemeinern viel. In dem alter waren für meine Kinder zunächst mal alle Männer Papa und alle älteren Männer Opa. Klar erklärt man ihnen dann, das das nicht so ist. Naja, und dann musste ich da an einen anderen Beitrag hier denken. Ähnliche Situation wie bei euch, nur das Kind ist schon älter (4 glaub ich) und der KV hat sich jetzt gemeldet und Ansprüche angemeldet... In diesem alter ist es schwerer dem Kind zu erzählen, dass es ja da "noch einen " Vater hat... In diesem Beitrag war davon die Rede, die Wurzeln nicht zu verschweigen... Das halte ich auch für wichtig. Vielleicht kannst du es als Chance sehen, eurem Kind unbeschwert seine Wurzeln zu zeigen und Kontakt zu ermöglichen. Nicht auszudenken wie die Situation wäre (was deine Tochter denken würde) wenn sie gar in der Pubertät auf den Trichter käme... Lieber immer gleich offen alles aussprechen.
Glaub mir, an der Beziehung zu deinem Freund ändert das nix! Sie lieben sich und werden sich weiter lieben!!!
Bei allem Ärger und Wut die ich auf meinen Ex verspüre, wenn ich mal wieder durch Bemerkungen meiner Kinder merke, wie sehr er die Kinder beeinflusst ("Der ... darf das nicht, das darf nur die Mama. Das sagt mein Papa" O-Ton meine 2 jährige heute

)... Ich bin mir absolut sicher, dass er dadurch die gute und liebevolle Beziehung zwischen meinen Kindern und meinem Partner nicht beschädigen kann. Er erreicht damit zwar (und das ist schlimm genug und der einzige Grund für meine Wut auf ihn), dass die Kinder in Loyalitätskonflikte geraten und sich kurzzeitig schlecht fühlen (A.... von einem Vater, nur an sein eigenes Ego zu denken :schiri ...), aber die Kinder wissen wen sie warum mögen....
Cool down, sehs locker mit dem kleinen Wörtchen, mach keine Beziehung oder nicht Beziehung dran fest, die wird nämlich nonverbal entschieden

. Und mach das beste aus der Situation für deine Tochter draus...
Hoffe es war ok, so ne lange Antwort...
LG Cristl
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