Die Neue vom Ex
Hallo!
Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist, in diesem Forum um Rat zu bitten. Aber vielleicht kann ich es versuchen?
Ich bin nicht alleinerziehend. Ich bin die neue Partnerin vom Ex einer Alleinerziehenden. Mit Sicherheit kann ich nur erahnen, wie man sich als alleinerziehende Mutter fühlt. Ich denke, es ist verdammt anstrengend, nervenaufreibend und hart. Ich kann aber versichern: Als "Neue" ist es manchmal auch nicht so einfach.
Kurze Einführung. Ich lernte meinen Mann (wir haben kürzlich geheiratet) vor zwei Jahren kennen, da war er auf dem Weg, um seinen kleinen Sohn (inzw. 3 1/2 Jahre alt) zu besuchen, und nahm mich als Mitfahrerin mit. Er war gerade aus dem Ruhrpott in seine alte Heimat nach Norddeutschland gezogen (in den Ort, in dem ich auch lebte), sein Sohn wohnte in Bayern. Wir verliebten und usw. Wir verstanden uns super, haben ähnliche Interessen - kurz, es war innerhalb einiger Monate klar, dass wir zusammenbleiben wollen.
Es war von Anfang an selbstverständlich, dass die Wochenenden nicht automatisch uns, sondern regelmäßig auch dem Kleinen gehörten. Er fährt etwa alle 4 bis 6 Wochen die 1000 km hin und zurück, und ich unterstütze ihn dabei, soweit es geht.
Die Mutter des Kindes und er kennen sich noch aus Studienzeiten. Sie hatten eine recht kurze (3-4 Monate dauernde) Fernbeziehung (sie lebte da schon in Südbayern, er noch im Pott), an deren Ende der Kleine entstand. Die Beziehung wurde von beiden ohne Streit beendet; es passte einfach überhaupt nicht. Nach über vier Monaten Funkstille schrieb sie ihm in einer Mail, dass sie schwanger sei. Er nahm es sehr positiv auf, es stand auch zur Frage, ob man es nicht noch einmal versuchen sollte... nun denn, das Ende vom Lied ist aber, die Beziehung konnte nicht wieder zum Leben erweckt werden, sie waren sich aber einig, dass sie sich darum bemühen wollten, dass es dem Kleinen möglichst gut geht, sie in Kontakt bleiben, er das Kind sieht usw.
(Langweile ich euch schon? Verzeihung)
Der erste Riesenfehler meines MAnnes war es, vor zwei JAhren zurück nach Norddeutschland gegangen zu sein. Er habe damit ihrer Ansicht nach seinen Sohn im Sticht gelassen/ verlassen/ sich gegen ihn entschieden. Und ja, ich stimme zu, dass die Vergrößerung der Entfernung nicht optimal ist. Aber hat nicht auch jeder ein Recht, dort zu leben, wo er Arbeit hat und wo er glücklich ist? Sie lebt in Bayern, weil sie die Berge liebt und das Skilaufen. Mein Mann liebt das Meer und Segeln. Zudem lebt der Großteil seiner Familie hier. Ihre Eltern leben übrigens in der Mitte Deutschlands. Nicht in Bayern.
Der zweite Riesenfehler war, dass er eine neue Beziehung begonnen hat (mit mir), was eine weitere Entscheidung gegen sein Sohn gewesen sei. Und überhaupt: So künstlich und aufgesetzt ernsthaft, die Sache mit mir. (Er erzählte ihr nach etwa zwei Monaten, dass er eine neue Beziehung habe; nach einem Jahr, dass er und ich zusammenbleiben wollen. Da sind wir dann auch zusammengezogen)
Nebenbei macht er natürlich diverse andere Fehler. Und sicher sehe ich einige Dinge wie sie, etwa, wenn er vergisst, dem Kleinen eine Mütze aufzusetzen, obwohl der kurz vorher erkältet war. Das ist schlicht Mist und für sie noch anstrengender, wenn der Lütte wieder Schnupfen kriegt. Aber ich bleibe bei den ganz gravierenden Dingen.
Wie bekommen ein Kind. ("Wenn du dir das leisten kannst... / ... Du willst immer alles haben.") Ich finde, dazu haben wir ein Recht, oder? Genau wie sie ein Recht hat, eine neue Beziehung zu beginnen und weitere Kinder zu bekommen. Ich weiß, allein mit Kind ist es viel viel schwieriger, jemanden kennen zu lernen. Aber ich würde es ihr von Herzen (wirklich) wünschen!!
Der Geburtstermin rückt näher, es sind noch bummelig 30 Tage. Mein Mann hat den Kleinen das letzte Wochenende besucht, und im Raum stand als nächster Besuchstermin das Wochenende 10 Tage vor dem Geburtstermin. Ich weiß nicht, ob ich da nicht richtig hingehört habe oder mal wieder kurz unter Schwangerschaftsdemenz litt - die Mutter des Kleinen hat sich zu dem Vorschlag nicht direkt geäußert, das macht sie fast nie, sagt immer "mal sehn", was ja auch ihr Recht ist - jedenfalls habe ich meinen MAnn gebeten, die drei Wochen vor dem Termin nicht mehr 1000 km weit zu fahren. Einfach aus Prinzip und auch weil es sein kann, dass die Geburt aus medizinischen Gründen vorher eingleitet werden soll (Tatsache, keine Spekulation).
Also mein Vorschlag (und den schlug er ihr vor per Mail)(sie geht grundsätzlich nicht ans Telefon, wenn sie seine Nummer sieht, die muss er schon unterdrücken): Das lange Wochenende ab dem 3. Oktober, wenn es ihr passt, und dann erst wieder zwei Wochen nach der Entbindung, von der wir nun leider nicht genau wissen, wann sie denn ist.
Nun ist Funkstille.
Sie geht (natürlich) nicht ans Telefon. Und antwortet nicht.
Ja, scheiße, in diesem Fall steht der Kleine offensichtlich hinter dem Ungeborenen Kind an, und das ist mir auch klar. Aber es geht doch hier nicht um Lego spielen mit dem einen oder dem anderen Kind, sondern um die Geburt!
Ich will unbedingt, dass der KOntakt zwischen meinem MAnn und seinem ersten Sohn weiter besteht. Freundinnen von mir verdrehen die Augen, wenn ich sage, dass er zwei Wochen nach der Entbindung wieder hinfährt. Ist mir egal, das soll er, denn ich finde es wichtig, dass sein Sohn merkt, dass er sich für ihn interessiert.
Ich bin selber ein Scheidungskind. Allerdings waren meine Eltern über 20 JAhre verheiratet und haber vier Kinder zusammen. Da ich großem Abstand die Jüngste war, habe ich darunter am meisten gelitten, die anderen waren aus dem Haus. Für meine Mutter war es die Hölle. Für mich auch. Mein Vater lebte mit seiner neuen PArtnerin und ihren drei Kindern 5 (FÜNF) km von uns entfernt. Er scheute die Auseinandersetzung um irgendwelche Besuche und ich hörte über fünf JAhre hinweg nichts von ihm. Tatsächlich sagte er damals mal, ich hätte mich ihm völlig entfremdet und sei gar nicht auf ihn zugegangen, ich sei doch schon 10 gewesen, ich hätte ja auch anrufen können. (Ohne Worte) Mittlerweile habe ich mich dafür entschieden, nicht mein Leben lang das "verlassene Kind" zu bleiben. Unsere Beziehung ist wieder ganz in Ordnung.
Man, was für ein langer Text. Und dabei eigentlich nur einige konkrete Fragen:
Wie sollte ich mich verhalten? Ich fühle mich schuldig, mich in die Besuchszeiten zu drängen mit der Geburt, dabei finde ich, ich habe ein verdammtes REcht dazu, meinen Mann dabei zu haben. Ich verlange ja keine Empathie von ihr, aber doch so etwas wie Klarheit oder Logik einer erwachsenen Person. Sie wollte damals auf keinen Fall, dass mein Mann bei der Geburt dabei ist.
Ich frage mich, ob ich ihr schreiben sollte. Wie haben uns nie kennen gelernt (wie auch), der Kleine war noch nie hier. Aber ich sitze jetzt doch irgendwie mit im Boot. Ich will ihn (meinen Mann) nicht anketten, ich denke, das tue ich auch nicht. Mein Mann hat dieses JAhr eine Woche Skiurlaub gemacht - mit seinem Sohn und ihr (sie fuhr Ski, er passte auf den Kleinen auf)(er bezahlte, eher unfreiwillig, alles), was ich so weit auch in Ordnung finde, denn noch mag sie den Kleinen nicht für mehrere Tage mit seinem Vater allein lassen. Aber in Zukunft möchten mein Mann und ich natürlich zusammen Urlaub machen. Und damit lässt er seinen ersten Sohn schon wieder im Stich!??, oder was?
Was tun? Im Grunde ist es fast egal, was mein Mann sagt, tut, schreibt oder eben NICHT sagt, tut, schreibt. Immer ist er der Böse, der seinen Sohn verrät und im Stich lässt.
Sich nicht mehr melden ist übrigens ein super Druckmittel. Mein MAnn hat kein Sorgerecht und wird von ihr regelmäßig daran erinnert, dass sie nicht sicher ist, ob die Besuche in Zukunft weiter geführt werden sollten.
Ich würde ihr gerne versichern, dass ich den Kontakt zwischen ihm und seinem Sohn unterstützen möchte. Nur: mache ich die Sache nicht noch schlimmer? Wo ist der schmale Grat zwischen den Extremen Ignoranz und Geschmacklosigkeit? Ich träume schon schlecht von Antworten wie "nun will sie sich auch noch anbiedern".
Was sagt ihr dazu?
1000 Dank für Eure Antwort.
Bibi[addsig]