Vorab: sollte dies das falsche Unterforum sein, bitte verschieben. War mir bei der Wahl nicht sicher. Und falls der Text sich zu jammernd lesen sollte, bitte ich dies zu verzeihen. Es ist dann ggf. teils unvermeidlich und kein Versuch, alles schlechtzureden und mich als den einzigen, leidtragenden Menschen hinzustellen.
Bedingt durch den weniger als unrühmlichen Abgang meiner Exfrau, habe ich nun seit über dreieinhalb Jahren das Vergnügen mit dem Single- und Alleinerziehendendasein. Gut, in der heutigen Zeit traurigerweise längst keine Seltenheit mehr, wie wir ja alle wissen.
Derzeit sieht es so aus, dass ich nach über dreieinhalb Jahren wieder eine Tätigkeit ausübe. Demütigenderweise einen 1€-Job in einer Einrichtung voller Alkohol- und Drogenabhängiger. Zugegeben, diese Leute sind auch nur Menschen, und zum Teil wirklich arme, doch zieht der Job einen unheimlich runter.
Gelernt habe ich vor Jahren den Beruf Betriebsschlosser. Meine Qualifikationen in der Hinsicht waren damals durchweg sehr gut (Lehrzeitverkürzer mit Top-Werten), doch ist in diesem Beruf mit meiner Situation nichts zu holen. Aufgrund der Zeitarbeitspolitik müsste ich trotz Lohn wohl noch auf Hartz4 zurückgreifen, ich bin zu lange aus dem Job raus, und außerdem bin ich zeitlich aufgrund der beiden Kinder nicht flexibel genug. Dazu kommt noch eine frühere, schwere Erkrankung, die mich fast das Leben gekostet hätte und bist heute nicht unerheblich nachklingt.
Seitens diverser Ämter habe ich bisher nicht sonderlich viel Unterstützung erfahren, wenn man vom Finanziellen einmal absieht. Entweder will man mich sofort in irgendwelchen Ganztagsbeschäftigungen weit von daheim entfernt sehen, welche schlicht und einfach unrealistisch sind, oder meine persönlichen Vorschläge/Wünsche werden als Hirngespinst (O-Ton) abgestempelt oder als nicht förderungswürdig abgewiesen.
Bei besonders unrealistischen Einfällen hätte ich es ja selbst eingesehen, aber ist es denn beispielsweise so falsch, wenn man sich gern darum bemühen würde, beim lokalen Roten Kreuz oder einem Altenheim sich um einen Halbtags- bzw. Minijob zu suchen, anstatt für einen € die Stunde in einer Einrichtung zu arbeiten, in welcher wohlhabende, lokale Firmen für ganz wenig Geld verpacken und zusammenbauen lassen?!
Mit meiner langfristigen Zukunftsperspektive sieht es da nicht besser aus. Nur allzu gern würde ich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Podologen (Fußpfleger) machen, da ich mir davon allgemein weitaus mehr Möglichkeiten in jeder Hinsicht verspreche als von meinem einst erlernten Beruf. Das Amt weist diesen Vorschlag vehement ab, und in Teilzeit ist eine derartige Ausbildung hier in Bayern nicht möglich.
Was spricht eigentlich gegen Vollzeit? Die Tatsache, dass ich mit den Kindern im Grunde wirklich vollkommen alleine bin. Meine Eltern wohnen zwar ein Haus weiter, sind jedoch beide berufstätig, mein Freundeskreis bewegt sich Nähe null, Verwandtschaft existiert kaum noch und vor allem nicht hier in der Nähe, zwischen meinen ehemaligen Schwiegereltern und mir ist inzwischen Funkstille, und weder kommen von meiner Exfrau große Bemühung um die Kinder, noch würde ich dies wollen aufgrund ihres Umgangs mit den Kindern und der bei ihr und ihrem neuen Ehemann gegebenen Umständen (Schusswaffen und massenhaft rechtsradikales Gedankengut in der Wohnung; Jugendamt zeigte sich davon unbeeindruckt).
Selbst wenn ich die Kinder bis 15:00 in eine Nachmittagsbetreuung stecken könnte, bliebe mir immer noch keine Möglichkeit für eine "erweiterte Tätigkeit", wie ich es jetzt mal bezeichnen möchte, da sowas eben auf mein Berufsbild nicht passt, und zweitens Jobs in dieser Sparte , welche keine Berufsausbildung vorraussetzen, hier rar sind, oder eben an Frauen vergeben werden. Mag ein Vorurteil (und ganz sicher KEIN Vorwurf!) sein, aber meine bisherigen Erfahrungen bestätigen es jedenfalls bisher. Außerdem muss ich ja die Tochter aus dem Haus zum Schulbus schicken und meinen Sohn zum Kindergarten bringen.
Wie man sieht, sind die Gegebenheiten alle weniger als ungünstig, und mir ist nicht klar, wie es weitergehen soll, geschweige denn überhaupt KÖNNTE. Was ich stets um jeden Preis vermeiden möchte, ist es, als faulen Klischee-Hartz4ler, wie man ihn aus diversen, niveaulosen Sendungen von RTL(II) und Co. kennt, abgestempelt zu werden. Kurz nach dem Beginn meines 1€-Jobs kam man direkt mit diversen Angeboten vom Jugendamt bezüglich Haushalts-/Hauswirtschaftshilfe auf mich zu, damit ich das mal lerne. Als ich dies dankend abgelehnt habe, da meine Kompetenzen diesbezüglich mehr als gut sind, wurde mir direkt mit Konsequenzen und Einschaltung des Jugendamtes gedroht. In dem Wissen, nichts zu befürchten zu haben, blieb ich natürlich stur, und letzten Ende kam auch nichts. Selbst wenn...
In meinen bzw. unseren Wohnlichkeiten sieht es so aus, dass es IMMER sauber und ordentlich zugeht (zum qualmen geh' ich vor die Tür), dass die Kinder STETS körperlich gepflegt sind, IMMER saubere und passende Kleidung und reichlich Spielzeug und Freiraum haben, und dass sich beide quasi EINWANDFREI in Kindergarten bzw. Schule machen. Die Zeit, die man für andere Beschäftigung mit den Kindern, wie Hausaufgaben, spielen usw. aufbringen muss, kommt noch dazu.
Das alles und diverse andere Gegebenheiten sorgen schon dafür, dass ich wirklich kaum Zeit für mich habe, außer abends kurz am Basteltisch bzw. dem PC zu sitzen. Nicht weiter schlimm, aufgrund der Tatsache, dass ich nie ein großer Partygänger war, der jedes Wochenende bis zum abwinken auf Derby/Party gehen und die Sau rauslassen muss. Ich bin mit meinem Ticket für Wacken jedes Jahr zufrieden. Ich wäre gern mehr unter Leuten, nur habe ich da so meine Probleme, und außerdem schaffe ich das durch die gegebenen Umstände nur alle paar Wochen mal einen Abend für zwei, drei Stunden für den Gang ins Kino oder einen Abend alleine an irgendeiner Theke. Das ist wohlgemerkt keine Untertreibung.
So, wenn ich mir jetzt noch vorstelle, Vollzeit zu arbeiten und noch zu lernen, dreh' ich vollkommen am Rad. Ich würde es unter Garantie nicht packen, weder zeitlich noch nervlich.
Es ist mir grundsätzlich einfach ein großes, fast schon an physikalische Umöglichkeit grenzendes Rätsel, wie Leute solche Situationen packen, und zwar alles top. Wie bringt man das alles unter einen Hut, jobmäßig voll da sein, wieder einen Partner finden, zwei Kinder betreuen, lernen, den Haushalt schmeißen und auch noch ausreichend Zeit für sich selbst finden?! Ich wage mal zu behaupten, dass ich ja irgendwo alles kann, aber alles auf einmal?
Über drei Jahre mache ich das jetzt alles schon. Ich kann kochen, waschen, bügeln, die Wohnung lupenrein putzen, Ordnung halten, ausgewogen einkaufen, Termine ausmachen und von A nach B rennen, Hausaufgaben kontrollieren, Nachhilfe erteilen, Kinder bei Laune halten, ihnen Liebe, Fürsorge und Geborgenheit vermitteln usw.
Seit Jahren stehe ich hinten an, mache aber niemandem einen Vorwurf und komme meinen Pflichten willig nach. Allerdings fühlt man sich machtlos, im Stich gelassen und irgendwann dann doch unfähig und nutzlos, und die Frage nach der Daseinsberechtigung nagt mehr und mehr angesichts der Tatsache, dass man den mittel- und langfristig anstehenden Aufgaben alleine nicht gewachsen ist. Irgendwann muss man eben zugeben, dass Männer wie Schalentiere sind: außen hart, und innen ein weicher Kern.
Alleine werde ich wohl auch noch sehr lange bleiben, da das Feedback vom weiblichen Geschlecht bisher, wenn überhaupt, durchgehend negativ war. Entweder besteht grundsätzlich ein Hass auf die Spezies Mann, fremde Kinder packt man nicht einmal mit der Kneifzange an, oder es geht nur um Geld, Job, Karriere und Party. Auch das mögen mir manche jetzt als klischeehafte Aussage ankreiden, aber zu dieser Meinung stehe ich durch und durch.
Ich weiß, das war jetzt eine ganze Menge Text und es liest sich irgendwo auch teilweise wie ein Lebenslauf, nur wusste ich nicht, wie ich mich kürzer fassen und gleichzeitig alles richtig hätte rüberbringen sollen. Der eine oder andere wird sich irgendwo sicher wiedererkennen, keine Frage.
Auf alle Fälle vielen Dank für die genommene Zeit, und MEINE HOCHACHTUNG AN ALLE, DENEN ES ÄHNLICH WIE MIR GEHT UND DIE ALLES AUF DIE REIHE BRINGEN!!! WOHER NEHMT IHR DIE KRAFT UND DIE NERVEN? WIE MACHT IHR DAS ALLES?
Bernd