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von mona84

frank

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1

Mittwoch, 9. November 2005, 16:39

Hauptmanko Alleinerziehend

Den folgenden Zeitungsartikel fand ich sehr bezeichnend und wollte den Euch nicht vorenthalten...

<b>Hauptmanko: Alleinerziehend!</b><p>
Nach langem, vor allem internen Kampf hat die Königsteiner CDU endlich ihre Bürgermeisterkandidatin benannt: Karin Weikamp. Sie kann mit ihrer fachlichen Kompetenz überzeugen und mit ihrem einnehmenden Wesen, ihrer auf die Menschen zugehenden sympathischen Art. Okay, da sind auch Schwachpunkte: Keine kommunalpolitische Erfahrung, nur sehr wenig Ahnung von verwaltungstechnischen Aufgaben. Aber das ist nicht ihr Hauptmanko, wenn es nach der Meinung einiger CDU-Mitglieder geht. Die sehen nämlich ihr größtes Problem hinsichtlich des Bürgermeisteramtes, dass Weikamp allein erziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter ist.
In der Mitgliederversammlung wurde beispielsweise gefragt, ob es auch einen Ehemann, also einen Vater zu dem Kind gibt, was allein schon eine absolute Frechheit ist. Ein anderes Mitglied wollte fürsorglich tun und fragte (sinngemäß), ob denn bei den vielen Terminen eines Bürgermeisters, auch abends, die Betreuung der Kleinen gewährleistet sei beziehungsweise, ob Weikamp dieser Job denn überhaupt zumutbar sei. Dieser Mann sagte wörtlich: &#8222;Also, ich hätte das meiner Frau nicht zumuten wollen.&#8220;
Oh, Männer &#8211; wacht auf! Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert! Das ist natürlich sehr verallgemeinernd und es muss erwähnt werden, dass eine ältere Dame (Hubertine Fischer) sich sofort gemeldet hat und vehemente Gegenrede gehalten hat, die dafür von fast allen (auch von den meisten anwesenden Männern) beklatscht wurde, also Zustimmung erhielt.
Weikamp führt seit einigen Jahren bereits als Gesellschafterin ihr eigenes Unternehmen, musste also längst Lösungen in Bezug auf Kinderbetreuung gefunden haben.
Man kann politisch gesehen zu ihr stehen, wie man will. Aber die Frage der Kinderbetreuung ist ihr rein privates Ding. Wenn sie sich für das Amt der Bürgermeisterin bewirbt, ist selbstverständlich davon auszugehen, dass sie sich über den diesbezüglichen Zeitaufwand im Klaren ist und wie sie ihn hinsichtlich ihres Kindes managt. Aufgrund dieser so indiskreten wie überflüssigen Fragen, sah sie sich in die Lage versetzt, sehr private Auskünfte geben zu müssen, die über die reguläre Vorstellung einer Kandidatin weit hinausgingen. Einem Mann wären solche teilweise unverschämten Fragen nie gestellt worden. Weikamp hat sie alle locker und mit gleich bleibender Höflichkeit beantwortet.
Der ebenfalls anwesende Landrat Jürgen Banzer versucht schon seit einiger Zeit, die CDU-Verbände sukzessive &#8222;umzuerziehen&#8220;. Denn das alte Rollenbild ist schon lange passé. Nur viele seiner &#8222;Schäfchen&#8220; haben das immer noch nicht begriffen. Und man muss davon ausgehen (wie gerade wieder erlebt), dass es manche in ihrer Lebenszeit nie begreifen werden. Banzer hat das &#8211; durchaus auch aus ganz pragmatischen Gründen &#8211; verstanden, ist aber letztlich gegen verbohrte Holzköpfe auch machtlos.
Immerhin haben Fraktion und Vorstand der Königsteiner CDU diese Bedenken nicht gehabt, wenn sich hier natürlich auch die Frage stellen muss, ob diese &#8222;Toleranz&#8220; nicht auch etwas aus der Not geboren war. Sicherlich wäre ihnen ein/e Kandidat/in, bei der "alles in Ordnung" ist (Vater-Mutter-Kind, verheiratet, katholisch) lieber gewesen. Denn auch diese Gremien gelten nicht gerade als innovativ. Es gab aber keine anderen qualifizierten Kandidaten mehr. Und schließlich gab auch eine große Mehrheit der Mitglieder Weikamp ihr Votum.
Letztlich spiegelt Weikamp mit ihrem Lebensmodell einen großen Teil der Bevölkerung wider, der auch bei der Königsteiner CDU (und dort hauptsächlich bei den Männern) mal als Realität ankommen muss: Die jüngere Generation (ja, auch Frauen!) ist heute gut ausgebildet. Diese Frauen schaffen es nicht nur, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, sie können dabei sogar Karriere machen, wenn man sie lässt. Sie organisieren ihr Leben. Und das gut. Und mit viel Aufwand. Vielleicht darf an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass die Kinder dieser (berufstätigen) Frauen zu durchaus glücklichen, selbstständigen und lebenstüchtigen Menschen heranreifen, denen es weder an Liebe noch an Zuwendung mangelt.
Die Mitglieder der Königsteiner CDU (hier vor allem der männliche Teil) sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Es wird Zeit!
Martina Tonsen
(Erschienen in der Königssteiner Woche am 2. November 2005)

Frank[addsig]

Daniela

Anfänger

Beiträge:

2

Mittwoch, 9. November 2005, 16:52

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Hallo Frank,
also wirklich, das ist wohl der Hammer, nur weil man alleinerziehend ist, soll man keinen "öffentlichen" Job machen können. Na, die meisten Männer leben eben doch noch im vorletzten Jahrhundert. Frau WEikamp schafft es bestimmt und dann werden die dort ihre große Klappe halten können.
Wahrscheinlich auch noch tiefes katholisches Bayern.
Aber: Jetzt erst recht.
Daniela[addsig]

Anna

Anfänger

Beiträge:

Wohnort: Baden Würtemberg

Beruf: Familienfrau

3

Mittwoch, 9. November 2005, 17:15

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Hallo Frank,
Hallo Daniela,

ja, es ist eine Frechheit, wenn so private Dinge wie Kinderbetreuung hinterfragt werden. Das passiert nicht nur im katholischen Bayern.

Eine Freundin von mir, 2 Kinder, nicht alleinerziehend, mußte sich bei einem Vorstellungsgespräch die Frage gefallen lassen, ob denn ihr Mann damit einverstanden sei, daß sie hier (diese Firma) aushilfsweise arbeiten möchte...
Die Frage wurde von einer Frau (Inhaberin) gestellt! Und das in einer Großstadt...

Ich glaube, solange Frauen andere Frauen aufgrund ihrer Familiensituation für inkompetent halten, wundert es mich nicht, wenn Männer in tiefen Provinzen ähnlich denken...

Als AE wundere ich mich dann nicht mehr, wenn mir "noch" weniger zugetraut wird, egal wie unberechtigt das sein mag...

Was mich dabei wütend macht, ist, dass AE-Vätern solche Fragen nicht gestellt werden, oder irre ich mich da?

Anna

silberfischchen

Anfänger

Beiträge:

4

Mittwoch, 9. November 2005, 19:29

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

ich wohn in niedersachsen und mich hat bei der wohnungssuche doch glatt ein vermieter gefragt *alleinerziehend und ganztags arbeiten? - verwahrlosen ihre kinder da nicht?*

mir ist in dem moment nur der unterkiefer runtergeklappt, die passenden antworten fielen mir leider erst auf dem heimweg ein...


<br /><br /><!-- editby --><br /><br /><em>editiert von: silberfischchen, 09.11.2005, 19:30 Uhr</em><!-- end editby --> [addsig]

Gast

unregistriert

5

Donnerstag, 10. November 2005, 06:47

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Alleinerziehend zu sein ist immer noch ein gesellschaftliches Stigma.
Aus Erzählungen älterer Frauen, die sich trennten, erfuhr ich, dass man vor ein paar Jahrzehnten noch dafür öffentlich bespuckt werden konnte, im wahrsten Sinne des Wortes.
Dass sich Partner trennen, weil es soviel Spaß macht, kann man denke ich nicht behaupten, es ist eher so, dass nichts mehr geht!
Die Menschen dafür gesellschaftlich zu ächten ist ehrlich gesagt zum Kotzen.
Aber ich denke Minderheiten waren schon immer ein probates Mittel der Mehrheit ihre eigene Unfähigkeit zu verdecken und ein Leichtes auf derem Rücken ihren eigenen Frust loszuwerden. Man nennt so etwas auch Vorurteile.
Es gibt aber zum Glück auch denkende Menschen, als ich mich vor ein paar Jahren für einen ziemlich stressigen Job bewarb, meinte die Dame nur: Na ja, wenn sie ihren Alltag so hervorragend wuppen, dann können sie das hier doch auch unter den Hut bekommen :-)
MFG
Gabriela


Gast

unregistriert

6

Donnerstag, 10. November 2005, 12:36

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Trennen nicht zum Spaß, das dürfte stimmen. Andernseits gilt auch die Unterhalts- und Scheidungsregeln samt exterenr Kinderbetreuungsmöglichkeiten machen dieses leichter heute, sind in gewisser weise verführend, herabgesetzte Frustrationsbereitschaft, weniger Geben und Nehmen in Bezieungen.

Finanziell mal praktisch gefragt:
Eltern in eienr funktionierenden Ehe mit 2 - 3 ( über 3 - 4 das Jüngste ) Kindern haben keine problem ohne teure Krippenplätze, ohne Ganztagesschule 1 1/2 externe vollzeitstellen zu belegen udn ihren Alltag zu organisieren. Das in 90m² - 100m² Wohnung ohen ergänzende Soziallhilfe etc.

Bei gleichen Arbeitsplätzen käme dieses Paar nach einer Trennung ohne ergänzende öffentliche Unterstützung nicht aus, Wohngeld, Mangelfall, aufstockende Soazialhilfe, Gemeindezuschüsse für Kindergarten usw. , Mutter-Kind-Ferien usw. Neben den materiellen Kosten statistisch in Trennungsfamilien höhere Sozialkosten durch Schulversagen etc., eine schlichte Tatsache.

Scheidung und Trennung hat hohe soziale und finanzielle Folgekosten, nicht in jedem Fall aber statistisch nachweisbar, z.B. Armutsbericht Kinder!

werner

Saskia

Anfänger

Beiträge:

7

Donnerstag, 10. November 2005, 12:48

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Ja es ist leichter sich heute zu trennen wie vor 50 Jahren - und das ist auch gut so!

Hier geht es um die gesellschaftliche Diskriminierung von AEs und die ist eindeutig gegeben - das ist Fakt.

Ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft einerseits mehr Kinder zu fordern, andererseits mit dem Finger auf die zu zeigen die selbige großziehen und sie ins soziale Abseits stellen zu wollen.

Ein Lichtblick wenn diese Barrieren hin und wieder durchbrochen werden - finde ich. Tja wenn nun AEs die Möglichkeit hätten anständig zu verdienen hätten wir ein paar Probleme weniger :-D und wenn dann noch alle Unterhalsverpflichteten pünktlich und zuverlässig ihrer Pflicht nachkämen erst Recht.

Saskia [addsig]

delphine0077

unregistriert

8

Donnerstag, 10. November 2005, 13:49

RE: Hauptmanko Alleinerziehend

Ja so ist das eben die Gesellschaft ist sich net Sicher was sie eigentlich wollen.
Wenn ich das ganze ernst nehme,dann brauchen Mütter die in Gegenden wohnen wo die CDU herscht,sich ja net um nen Job bemühen.Denn sie müssen ja für die KInder u so da sein.Wenn man das dem AA erzählt die fangen gleich an das geld stückweise zu streichen.
Ich finde die sollten sich mal einig werden was sie überhaupt wollen(so manche Männer) Auf der einen Seite wollen sie das die AE ihre ex net mehr ausnehmen u für sich allein sorgen sollen.Dann haben sie welche die es tun,u es ist auch net gut.

Was mich aber noch viel mehr verwundert Was hat das ganze mit Katholisch oder net zu tun.Ich gebe ja zu das ich bestimmt net total gläubig bin,aber ich glaub mich dran zu erinnern das uns mal gesagt wurde"vor Gott sind alle gleich" Und das die jünger die (ungläubigen)zu sich an den Tisch bitten sollen u sie sollen diese net verjagen.Ergo sind die CDU u CSU Politiker doch net so gläubig wie sie immer tun.
Außerdem glaube ich ,das so mancher mann (hintern Mond lebt) da er Angst vor der neuen Zeit hat.So mancher Mann wird schon net mehr für die Erziehung der Kinder benötigt u dann sollen sie auch noch aufm Abstellgleis gestellt werden was das versorgen der Familie angeht.Ich kann mir gut vorstellen das da so mancher mann Angst hat net mehr gebraucht zu werden in der Gesellschaft.Denn wenn es das normalste von der Welt wäre das Mama auch ohne wenn u aber arbeiten darf,dann könnte es ja soweit kommen das die Generation Männer erstmal ausgediehnt hat.Schließlich gibt es ja Samenbanken die ja in den Horrorvorstellungen des Mannes diesen ersetzen.
gruß delphine[addsig]

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