Hallo,
ich habe eben folgenden Artikel gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten will:
Sitzstreik vor dem Jobcenter
Hartz IV: Alleinerziehende Mutter bemüht sich monatelang vergeblich um Hilfe – Jetzt gibt’s die Auslagen zurück und eine Waschmaschine
leer
TREBUR. 400 Euro und eine Waschmaschine: Darum kämpft Carola Schnellbacher aus Trebur seit Monaten Sie fühlt sich als Hartz-IV-Empfängerin ungerecht behandelt. Gestern machte sie mit einem Sitzstreik in Groß-Gerau, vor dem Sitz der „Arbeitsgemeinschaft für Grundsicherung“ (Arge), wie die Kooperation zwischen Arbeitsamt und Kreis Groß-Gerau heißt, auf ihren Fall aufmerksam – mit Erfolg.
Die Vorgeschichte: 1999 eröffnet die gelernte Bürokauffrau in der Rüsselsheimer Straße ein Blumengeschäft. 2003 zieht sie um in die Hauptstraße, 2006 ist der Laden pleite. Seither ist Hartz-IV-Empfängerin. Auf Drängen der Behörde zieht sie mit ihren zehn und elf Jahre alten Töchtern in eine kleinere Wohnung, die beiden älteren Kinder haben schon eigene Hausstände.
Die neue Wohnung muss renoviert werden und ist leer. Die vorige war möbliert gemietet, die Familie durfte eine Gemeinschaftswaschmaschine im Keller nutzen. Carola Schnellbacher beantragt Renovierung und Möbel bei der Arge. „Ich habe nie eine Antwort bekommen“, sagt sie. Zweimal schreibt sie ans Amt, weist auf die Notlage hin: leere Wohnung, zwei Kinder, kein Geld. Freunde und Bekannte bringen Möbel und besorgen sogar eine gebrauchte Waschmaschine. Die geht aber bald kaputt. Letztlich leiht sich Carola Schnellbacher 200 Euro für die Renovierung, 100 Euro für ein Hochbett, und nochmal 100 Euro für eine Spüle. „Das sind zusammen 400 Euro“, sagt sie, „die hätte ich gerne ersetzt“.
Nach zwei bis drei Monaten seien zwei Mitarbeiter der Arge bei ihr aufgetaucht, berichtet sie. Die Männer hätten festgestellt, dass die Wohnung eingerichtet sei. Prompt sei ihr Antrag abgelehnt worden. Carola Schnellbacher legte Einspruch ein. Keine Reaktion. Sie suchte Hilfe bei einer Anwältin. Auch auf deren Schreiben: keine Reaktion, sagt die 45-jährige. Schließlich habe sie dem Amt mit einer Klage vorm Sozialgericht gedroht. Daraufhin, am Montag voriger Woche, sei sie aufgefordert worden, Quittungen einzureichen. „Die haben sie dann zum vierten Mal bekommen“, sagt die Treburerin.
Nun wurde es ihr zu bunt. Sie packte die schmutzige Wäsche zusammen, fuhr vors Gebäude der Arge in Groß-Gerau und machte mit einem Sitzstreik auf ihre Notlage und die in ihren Augen unterlassene Hilfeleistung aufmerksam. Lange musste sie nicht warten, bis sie hereingebeten wurde. In ihrem Fall sei „irgendwie alles schief gelaufen“, habe man ihr gesagt.
Von seiten der Arge stellt sich das anders dar. Die Behörde habe eine Entscheidung aufgrund der Beobachtungen der Außendienstmitarbeiter gefällt, dagegen habe die Kundin (Carola Schnellbacher) Widerspruch eingelegt. Daraufhin sei sie erneut angeschrieben worden mit der Bitte, „zur Aufklärung des Sachverhalts Rechnungen vorzulegen und den Sachverhalt darzustellen“, erklärt Gunther Neumann, Teamleiter für Leistungssachbearbeitung im Jobcenter Groß-Gerau in der Arge Groß-Gerau. Dass sich alles so in die Länge gezogen hat, bis der Außendienst überhaupt zur Bestandsaufnahme kam, sei eine Ausnahme. Er weist aber darauf hin, dass es sich bei der Hilfe um „kein einseitiges Geschäft“ handle: „Frau Schnellbacher hätte jederzeit einen Termin machen und zu einem Gespräch kommen können. Ein Sitzstreik war nicht nötig“. Im Gespräch gestern habe sich die Situation anders als aufgrund der Aktenlage dargestellt, so dass die Waschmaschine und die Zahlung der Auslagen nun bewilligt würden.
Heide Noll
31.8.2007
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